Betrachtet man die Tages- und Festgeldzinsen und ihre Entwicklung seit Jahresbeginn kann man als Sparer schon etwas wehmütig werden. Während anfang des Jahres sowohl bei kurzfristigen, als auch bei langfristigen Geldanlagen noch Zinsen um die 5 Prozent pro Jahr möglich waren, liegt die obere Grenze der Konditionen heute deutlich darunter. Durchschnittlich sind die Konditionen im letzten halben Jahr bei jedem Anbieter um ca. 2,8 Prozent Zinsen zurück gegangen.
Da stellt sich so mancher Anleger die Frage, ob es sich überhaupt lohnt sein Geld extra auf ein besser verzinstes Konto umzuschichten oder ob man es aus Bequemlichkeit doch lieber einfach bei seiner Hausbank liegen lassen kann. Was viele Anleger jedoch nicht beachten: Auch die Inflation, zu messen an der Teuerungsrate, ist seit Jahresbeginn deutlich zurück gegangen und lag im April 2009 nur noch bei geschätzten 0,6 Prozent. Zum Vergleich: Noch im Juli 2008 lag die Teuerungsrate bei 3,3% (Quelle: Statistisches Bundesamt). Für Verbraucher lässt sich die sinkende Teuerungsrate vor allem an den gesunkenen Preisen für Lebensmittel ausmachen. Gerade bei den Artikeln des täglichen Bedarfs und auch bei den Benzinpreisen kann man sich seit Wochen über günstige Preise freuen. Eine niedrige Inflationsrate bedeutet, dass die Preise stabil bleiben und die Kaufkraft des Geldes annähernd gleich bleibt. Bei einer hohen Teuerungsrate verliert das Geld dagegen sehr schnell an Kaufkraft. Der eigentliche Gewinn bei jeder Geldanlage, die Rendite, ermisst sich also aus dem mit der Bank vereinbarten Zinssatz abzüglich der Inflationsrate.
Wer im Juli 2008 sein Geld mit Konditionen um die 5 Prozent Zinsen angelegt hat, musste gleichzeitig von seiner Rendite die Teuerungsrate, die um die 3,3 Prozent lag, abrechnen. Die Rendite entsprach damit gemessen auf das ganze Jahr ca. 1,7% der Anlagesumme. Bei einer Geldanlage von 10.000 Euro sind das 170 Euro. Natürlich entspricht diese Rechnung nur der Erwartungshaltung des Anlegers zum Zeitpunkt des Abschlusses. Da auch für ihn die Teuerungsrate zurückgegangen ist, kann er sich heute, sofern die Konditionen für eine längere Laufzeit festgeschrieben wurden, auf eine höhere Rendite freuen.
Wie aber sieht die Situation heute aus?
Zum Beispiel bietet die Credit Europe Bank bei ihrem Festgeldangebot für eine 2-jährige Laufzeit 3,5% Zinsen, die Bank of Scotland bietet sogar 3,8% Zinsen bei täglicher Verfügbarkeit. Zieht man von den genannten Zinssätzen die derzeitige Teuerungsrate von 0,6-0,7 Prozent ab, ergibt sich erstaunlicherweise eine viel bessere Rendite für den Anleger, als er es noch zu Zeiten hoher Zinsen erwarten konnte. Die Rendite schwankt je nach Angebot um die 2,5 bis 3 Prozent der Anlagesumme. Für das oben bereits genannte Beispiel einer Anlagesumme von 10.000 Euro ergibt sich eine erwartete Rendite von 250 bis 300 Euro. Das sind weitaus bessere Renditechancen als noch vor einem Jahr. Natürlich muss auch hier wieder gesagt werden, dass die Teuerungsrate in den nächsten Monaten auch wieder ansteigen kann. Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Probleme, kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Preise erst einmal stabil bleiben. Für Sparer gilt daher in diesen Zeiten, mit eher gering ausfallenden Zinsen, der Spruch: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Auch mit kleinen Zinsen lässt sich noch eine gute Rendite erzielen.
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